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Das Kuschelhaus Magdeburg - ein integratives Wohlfühlprojekt


Es ist ein milder, sonniger Spätsommertag, als Alexander am Morgen von seiner Mutti in den Kindergarten "Kuschelhaus" gebracht wird. Er hat mit seinen Eltern zuhause gefrühstückt.

Nun freut er sich, als er Mark, seinen Betreuer (Heilerziehungspfleger) sieht, der ein paar Worte mit der Mutti wechselt und sich dann mit Alexander beschäftigt. Mark, Jana (Praktikantin) und Silke (Erzieherin, studiert berufsbegleitend Heilpädagogik) begleiten heute neben Alexander noch Luise (3 Jahre). Die anderen Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren sind im Urlaub oder krank. So haben Elke und Marianne (Kindergärtnerinnen) beschlossen, in anderen Gruppen auszuhelfen.

Alexander hat spezielle Bedürfnisse. Er kam als Frühgeborenes zur Welt. Wasser im Kopf, das einen Teil des Hirns verdrängte und Hirnblutungen führten bei Alexander zu geistigen und körperlichen Handicaps, mit denen sich Mutter, Vater und die inzwischen erwachsenen vier Geschwister intensiv beschäftigten und für ein Leben mit ihnen nach den besten Fördermöglichkeiten suchten.
     Sie bauten ein Haus auf dem flachen Land in der Nähe Magdeburgs, wo sich Alexander mit seinem Rollstuhl, den er mit seiner linken Hand (auf der rechten Seite ist er spastisch gelähmt) steuert, allein und mit Hilfe bewegt; sie werden erneut ein Haus bauen, in dem Alexander sein Zimmer ohne Treppenstufen erreichen kann.

Neben den vielen Ärztlichen Untersuchungen, Beobachtungen, Krankenhausaufenthalten nahm besonders die Physiotherapie von Anbeginn einen zentralen Platz in der Förderung von Alexander ein. Die Arbeit, ihn mit den technisch besten Mitteln ein möglichst selbständiges Agieren zu ermöglichen, seinen Körper zu trainieren und zu stärken, war und ist für Alexander von großer Bedeutung. Aber Alexander sollte auch nicht von Therapien überwältigt und erschöpft seine Tage verbringen.

Als er 3 Jahre alt war, Überlegten die Eltern, wie seine Bedürfnisse und Sehnsüchte nach Gemeinschaft, Begegnungen mit anderen Kindern, Spiel, Spaß mit der täglichen und zeitlichen intensiven Förderung zu vereinbaren wäre. Sie guckten sich um und entschieden sich für das Magdeburger Kuschelhaus, dort für eine Gruppe für Kinder mit speziellen Bedürfnissen, in der Alexander eine besonders intensive Betreuung und Förderung erfahren kann. Andere Kinder besuchen Integrationsgruppen, in denen Kinder mit und ohne Handicaps miteinander leben.

Alexander sitzt im hellen, freundlichen Raum in seinem Rollstuhl und lässt von Mark den Paletto bringen, ein Keyboard mit 8 großen Knöpfen, die er drückt und sich dann Über die Geräusche freut: Schweinegrunzen, Vogelgezwitscher, niesende Menschen. Mark spricht mit Alexander, immer wieder benennt er Gegenstände und Sachverhalte: "Das ist der Paletto, hier sind die Knöpfe, der Vogel zwitschert, deine linke Hand..."
     Alexanders Kopf hat nicht viele Ressourcen, mit denen er lernen kann, jeder kleine Fortschritt ist ein Erfolg.
     Und Alex lernt, er lernt Worte zu sprechen, nach Mark zu rufen, allein zu essen, den Rollstuhl zu steuern.

Im Kuschelhaus werden die für ihn wichtigen Förderungen und Therapien koordiniert und ausgeführt, so dass die Eltern arbeiten gehen, sich in ihren Berufsfeldern engagieren und sich mit anderen Erwachsenen austauschen können. Alexanders Mutti arbeitet bei einer Feuerwehrschule als Wache im Schichtdienst, und sein Vati führt selbständige Firmen in der immobilien- und Versicherungsbranche.

Nach dem Spielen mit dem Paletto gibt es die vormittägliche Obstmahlzeit für die Kinder. Alexander isst die Banane Stück für Stück allein, nur manchmal unterstützt ihn Mark behutsam. In der Gruppe gibt es zwischen den Betreuern keine Hierarchie. Alle sind gleichberechtigt. Silke und Mark beschließen, mit Alexander und Luise in den Erlebnisraum zu spazieren. Im Erlebnisraum angekommen, lässt er sich in kleinen Becken von Schaumstoff locken und Kügelchen berieseln. Am tollsten aber ist das Bällebad. Dort taucht er mit Mark ein, lacht und quietscht vor Freude, lässt sich bewerfen und streicheln. Hin und wieder kommen Kinder aus anderen Gruppen hinzu. Auch das schönste Bad ist einmal zu ende. Mark führt Alexander auf den großen Spielplatz, stellt ihn im Rollstuhl aufs Drehkarussell, und die Fahrt kann gar nicht schnell genug sein...
     Alex schwatzt ein wenig mit einer Kindergärtnerin, die zu ihm kommt und guckt anderen Kindern im Sandkasten zu, steuert stolz seinen Fahrstuhl nach links und rechts.

Auch die Mittagsmahlzeit (heute: Schmorwurst, Mähren, Kartoffeln, von der hauseigenen Küche frisch gekocht) nimmt Alexander mit einem speziellen Löffel selbst ein. Mark ist neben ihm und hilft vorsichtig.

Der Höhepunkt des Tages aber kommt wie eine strahlende Sonne mit Elfi in den Raum. Elfi arbeitet als Logopädin und Übt nun mit Alex.
     Sie versteckt Gegenstände in einer Schachtel, die sie mit ihm öffnet und die er benennen kann. Alexander findet einen Kamm und kämmt sich. Die Zahnbürste führt er sich an den Mund... Sie pustet ihm mit einer kleinen Pumpe Luft an die Arme; Alexander will sich selbst Luft pusten und ruft nach der Pumpe.. Schließlich kneten Elfi und Alex um die Wette, und nach vielen anderen Übungen endet die spannende Therapiestunde mit einem Luftballon, der aufgeblasen wird und platzt: für Alexander ein Riesenvergnügen.

Und wenn der Kindergartentag nicht schon bald zu ende wäre, dann könnte Alexander noch in der Kinderküche kochen, in der Sauna schwitzen, in der Kinderwerkstatt basteln, sich im Turn- oder Tobraum bewegen, im Musikraum spielen oder sich im Snoezelenraum entspannen.

Natürlich kommt auch die Physiotherapien regelmäßig zum Üben. Hierfür steht ebenfalls ein eigener Raum zur Verfügung.

Mit dem Kindergarten fährt Alexander schwimmen, ins Ferienlager, macht Ausflüge...

Alexander und seine Eltern können sich auch von Psychologin und Sozialarbeiterin mit Rat und Tat begleiten lassen.

So schön, wie dieser Tag für Alexander war, es gibt für ihn am Nachmittag doch nichts schöneres, als von seinem Vati (die Eltern wechseln sich beim Holen und Bringen je nach Dienstplan und Arbeitszeit ab; Alexander könnte aber auch von einem der Busse des Kindergarten-Trägers "Kinderförderwerk e.V." gefahren werden) in die Arme genommen zu werden und zuhause in seiner Spezialschaukel im Garten zu pendeln, auf die Blumen zu gucken, mit den Grundstücksnachbarn zu lachen und auch hier mitten im Leben zu sein.

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